Nachdem ich bereits in meinem Blogbeitrag zu videobasierten Stellenanzeigen das Bewegtbildformat als das Format der Zukunft beschrieben hatte, möchte ich mich ergänzend dazu einer Erweiterung von Recruiting-Videos durch das Virtual Reality-Format widmen.

Gemeint sind 360-Grad-VR-Videos, die über sogenannte Headmounted Displays einen dreidimensionalen Rundumblick ermöglichen. Das Thema Virtual Reality-Videos ist noch relativ jung, wurde jedoch bereits sehr gehypte, nicht nur was deren Verwendung in der „Gamer-Welt“, sondern auch was deren Einsatz in vielen Unternehmensbereichen betrifft. So ist laut einer KPMG-Studie Virtual Reality für zahlreiche Branchen hochrelevant geworden und in vielen Bereichen bald nicht mehr wegzudenken. 52 Prozent der befragen Unternehmen setzt Virtuelle Realität bereits im Marketing und Vertrieb ein. Wichtigste Branchen sind Automobil, Produktion, Konsumgüter und Medien. Im Personalmanagement sind es aktuell 13 Prozent der Unternehmen. Die wichtigste Branchen sind hier auch die Automobilindustrie und Produktion sowie Chemie und Biowissenschaften (vgl. Wirtschaftswoche vom 15.04.2016).

Status Quo des Einsatzes von 360-Grad-VR-Videos im Personalmarketing

Wie der aktuelle Stand des Einsatzes der neuen Technologie im Recruiting etablierter Unternehmen in Deutschland aussieht, haben wir im Rahmen einer kurzen Blitzumfrage unter den JobStairs Partnerunternehmen verifiziert. Im Ergebnis zeigt sich, dass die Unternehmen, was Maßnahmen im Recruiting angeht, dem Einsatz von VR-Videos positiv gegenüberstehen. 63,3 Prozent der befragten HR-Verantwortlichen sehen 360-Grad-VR-Videos als eine nützliche Erweiterung des Videoformats und einen Gewinn für das Recruiting. Da wundert es nicht, dass bei fast jedem dritten Unternehmen der Einsatz der VR-Technologie bereits geplant ist und für weitere 34,5 Prozent in Zukunft durchaus vorstellbar.

Die Bayer AG und die Deutsche Bahn gehören zu den Pionieren aus dem JobStairs-Kreis, die schon eindrucksvoll gezeigt haben, wie 360-Grad-VR-Videos für das Personalmarketing einsetzbar sind, wie u.a. auf Recrutainment Blog und W&V berichtet wurde. Die Wirkungsfelder einer positiven Candidate Experience und eines effektiven Employer Branding greifen hier ineinander. Den Nutzen, den sich die HR davon verspricht, ist mehrheitlich zusätzliche Aufmerksamkeit für das Unternehmen durch den Einsatz von neuen Technologien. Immerhin gaben dies 60 Prozent der befragten Personaler an.

Doch vor allem die Möglichkeiten zur Verwendbarkeit von VR-Videos für das Recruiting scheint aktuell für die Unternehmens-HR noch eine Hürde darzustellen. So wurde „Distribution und Verwendbarkeit“ von den HR-Experten aus dem JobStairs-Kreis als eine der größten Herausforderungen benannt. 51,9 Prozent sehen hier eine sehr schwierige Aufgabe, die Zielgruppe zu erreichen. Selbstverständlich lässt sich die neue Technologie auf Messen und Karriere-Events hervorragend einsetzen, wie es Bayer beispielsweise auf der CeBIT tat, doch bei der Erreichung der Bewerberzielgruppe ist noch Potenzial nach oben.

Hohes Potenzial bei jungen Bewerberzielgruppen

Welche Wirkungen 360-Grad-VR-Videos auf die Nutzer-Zielgruppe, also potenzielle Bewerber haben, wurde von mir mit einer Studierendengruppe vergleichend dazu in einer Pilotstudie der Hochschule RheinMain Wiesbaden untersucht.

Ein Ergebnis: 360-Grad-VR-Videos emotionalisieren signifikant stärker als eine reine Betrachtung auf dem Handydisplay. Dies ergaben Messungen des Hautwiderstands bei Betrachtung der Filme, was die Thesen der JobStairs-Befragung stützt. Je mehr der Betrachter von VR-Videos in die virtuelle Welt abtauchen kann, also je abgeschotteter die Betrachtung und höher die Qualität des Videos, desto stärker ist die Wirkung.

Die Bereitschaft, Virtual Reality zu verwenden, steigt mit abnehmendem Alter, wie eine Bitkom-Studie zeigt: 28 Prozent der Deutschen zwischen 14 und 29 Jahren können sich vorstellen, eine VR-Brille zu nutzen. Bei den 30- bis 49-Jährigen sind es 25 Prozent, bei den über 50-Jährigen immerhin noch 13 Prozent. Damit zeigt sich, dass die neue Technologie vor allem zur Ansprache der jüngeren Zielgruppen, wie der Generation Y und Generation Z, geeignet ist.

Dafür sprechen auch die Ergebnisse einer Befragung unter meinen Studierenden der Hochschule RheinMain Wiesbaden. Von diesen hatte jeder zweite (50 %) bereits Kontakt zu VR-Inhalten. Beim Nutzen für die Arbeitgebersuche sind die befragten Studenten noch etwas zurückhaltend: Lediglich einer von zehn Umfrageteilnehmern (10 %) sieht in 360-Grad-Videos „voll und ganz“ eine sinnvolle Erweiterung von Stellenanzeigen. „Eher ja“ und „teilweise“ gaben im Vergleich dazu knapp zwei Drittel an. Ebenso viele glauben, dass VR-Videos das Interesse von Bewerbern erhöhen.

Denn die neue Technologie ist für alle Bewerberzielgruppen erschwinglich – aktuell gibt es eine 360-Grad-VR-Brille sogar als Beigabe bei Abschluss eines neuen Smartphone-Vertrags. Vor allem aber ist dieses neue Format interessant, unterhaltend und emotional begeisternd. Gerade dies ist eine Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Erreichen der Zielgruppe über audiovisuelle Inhalte.

In Zukunft werden sich die Einsatzmöglichkeiten um ein Vielfaches erhöhen. Dann vielleicht auch mit Geruchs- und Geschmackssensoren. In der kommenden Zeit werden VR-Recruiting-Videos aber vor allem virtuelle Rundgänge im Unternehmen sein und den potenziellen neuen Arbeitsplatz und Standort zeigen – ja quasi erlebbar machen, ohne selbst vor Ort anwesend sein zu müssen. Um sich im War for Talents von anderen Unternehmen abzusetzen und so die Aufmerksamkeit der besten Bewerber zu gewinnen, ist dies bereits jetzt schon ein effektiver Ansatz für das Recruiting.

Inwieweit also 360-Grad-VR-Videos ihren Siegeszug durch das Personalmarketing antreten, hängt unmittelbar mit der weiteren Verbreitung der neuen Technologie und dem unternehmensseitigen Vorantreiben von Bewerber-orientierten Inhalten zusammen. Dabei müssen sich die höheren Kosten, die gut das zwei bis dreifache eines herkömmlichen Recruiting-Videos betragen, in ihrem Mehrwert amortisieren, damit sich der hohe Aufwand lohnt.

Virtual Recruiting: 360-Grad-VR-Videos ergänzen Bewegtbildformat

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