Die fortschreitende Digitalisierung verändert zunehmend das Recruiting. Doch wo stehen wir genau auf dem Weg zum Recruiting 4.0? Im letzten Jahr haben wir im Kreis der JobStairs-Bewerber eine Online-Umfrage zu neuen Trends und Technologien im Recruiting durchgeführt. Die Ergebnisse hatte ich damals in meinem Beitrag „Der Bewerber 4.0 steht in den Startlöchern“ zusammengefasst. In diesem Jahr beleuchtete JobStairs die andere Seite der Medaille und befragte Personalexperten in den über 50 Partnerunternehmen der Jobbörse. Bei der Expertenumfrage im Frühjahr 2017 gaben 50 Prozent der Entscheider aus den Partnerunternehmen ihre Einschätzung und Prognose zu Trends im Bereich des Data Driven Recruiting beziehungsweise Robot Recruiting ab. Und diese fällt durchaus positiv aus. Aktuell steckt die Entwicklung des Data Driven Recruiting noch in den Kinderschuhen. Die Pioniere unter den Recruitern setzen heute zwar schon datenbasierte Tools wie beispielsweise Matching-Technologien (15,79%) ein, aber das Potenzial von Big Data im Recruiting wird erst ansatzweise ausgeschöpft. Dies wird sich in den nächsten Jahren allerdings ändern. Smarte Tools im Recruiting werden signifikant zunehmen, beispielsweise in analytischen Bereichen wie bei der Auswertung von Bewerbungen (92,31%).

Recruiter setzen auf die mobile Bewerbung
Nach wie vor ungebrochen ist der Trend der mobilen Bewerbung. Hier gilt die Devise „Mobile First“. Mobilen Bewerbungsformen wie der One-Click-Bewerbung (100%) schreiben die Recruiting-Spezialisten in Zukunft eine hohe Bedeutung zu. Allerdings ist aus HR-Sicht schon der nächste Trend auf dem Vormarsch: Die Vermittlung von Bewerbern durch einen Algorithmus (82,61%). Diese wird klassische Bewerbungswege zwar mittelfristig nicht ersetzen, zumindest aber ergänzen. Hier beginnt das Recruiting 4.0 Realität zu werden.

Digitale und automatisierte Kommunikation nimmt zu
Auch bei der Kommunikation in den verschiedenen Phasen der Personalauswahl wird sich in Zukunft einiges ändern. Während heutzutage der persönlichen Kommunikation noch ein großer Stellenwert zukommt (95,83%), nimmt in den nächsten Jahren digitale und automatisierte Mensch-Maschine-Kommunikation deutlich zu. Im Fokus des Recruitings 4.0 werden Robot-Recruiting (58,33%) und Chatbot-basierte Kommunikation (56,52%) stehen. Aber auch digitale und video-basierte Kommunikation, beispielweise mittels Video-Konferenzen (58,33%) oder Instant Messaging Diensten (50%) sind ein Thema, das sich in Zukunft durchsetzt. Hier kommt auch der globale Bewegtbild-Trend zum Tragen, der durch die Verbreitung neuer Technologien weitergetragen wird. Daher überrascht es nicht, dass die Mehrheit der Personalexperten (71,44%) Virtual-Reality- und Augmented-Reality-Anwendungen positiv gegenübersteht, entsprechende Projekte bereits plant oder realisiert.

Bei der unmittelbaren Personalauswahl, einem fortgeschrittenen Stadium des Recruiting-Prozesses, befindet sich die Mensch-Maschine-Kommunikation also auf dem Vormarsch. Bei der Bewerberkommunikation zu Beginn dieses Prozesses wird automatisierte Kommunikation hingegen zurückhaltender bewertet. Den Einsatz von Chatbots befürwortet in diesem Fall nur jeder zweite Personaler.

Robot-Recruiting wird als Chance gesehen
Im Großen und Ganzen wird sich das Robot-Recruiting bzw. der Einsatz smarter und intelligenter Technologien im Sinne eines Recruitings 4.0 aber positiv und dynamisch entwickeln. Die wenigsten Personalentscheider (13,05%) sehen in der Automatisierung von Recruiting-Prozessen eine Bedrohung. Die Befürchtung von smarten Algorithmen ersetzt zu werden, ist zu mindestens mittelfristig nicht vorhanden. Vielmehr glauben die HRler daran, dass Mensch und Maschine künftig Hand in Hand arbeiten (82,61%). Das Data Driven Recruiting hilft ihnen dabei, menschliche Entscheidungen auf eine objektive Grundlage zu stellen. Dennoch ist die „Entmenschlichung“ des Recruitings (73,91%) neben Fragen des Datenschutzes (65,22%) und des notwenigen Fachwissens (56,52%) eine der größten Herausforderungen des Data Driven Recruiting.

So sehen die Personalexperten die Rolle des Recruiters in Zukunft.

Jobbörsen testen neue Technologien
Durch die wachsenden technologischen Möglichkeiten sind Recruiter heute gefordert, ihre Bewerbungs- und Recruiting-Prozesse weiterzuentwickeln und teils zu erneuern. Auch Jobbörsen müssen Trends frühzeitig erkennen und umsetzen. Die Jobbörse JobStairs entwickelt aktuell beispielsweise einen Matching-Algorithmus namens „AI-Match“. Der Algorithmus liefert Bewerbern auf Basis eines Kurzprofils individualisierte und auf sie zugeschnittene Stellenangebote. Voll automatisiert gleicht dieser die über 30.000 Stellenangebote des Jobportals mit den Bewerberdaten ab. Dabei merkt sich AI-Match Treffer und Ähnlichkeiten und wird so immer besser. Dies ist ein erster Schritt in Richtung Maschine Learning und ein weiterer Schritt in Richtung einer Recruiting-Realität 4.0.

Recruiting 4.0 – Zukunftsvision oder Realität

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