Heute geht es um Bildungsabschlüsse und ihre internationale Vergleichbarkeit.

Allgemeine Situation
Stellen Sie sich vor, es kämen jede Menge potentieller Arbeitnehmer neu nach Deutschland. Aus ganz verschiedenen Ländern. Stellen Sie sich weiterhin vor, diese Menschen sollen und wollen sich gerne in unsere Gesellschaft integrieren, was natürlich auch bedeutet, dass sie sich in den hiesigen Arbeitsmarkt integrieren (müssen). Und nun sind Sie dran: Sie würden gerne prüfen, ob diese Menschen als neue Mitarbeiter in Ihr Unternehmen passen. Dazu würden Sie gerne wissen, welchen Bildungsstand und welche Schulabschlüsse die Kandidaten haben und welcher Qualifikation in Deutschland das entspricht. Wäre das nicht toll?

Und wenn diese Kandidaten sich bei Ihnen bewerben und in einem Onlinebewerbungsformular die aus der alten Heimat wohlbekannten Begriffe für Bildungsarten und Abschlüsse vorfinden würden, würde das mit Sicherheit gut ankommen, denken Sie nicht auch?

Nun denn, da lässt sich einiges machen: Bildungsabschlüsse lassen sich vergleichen, es gibt sogar internationale Standards und Initiativen dazu.

Quellen
Eine erste Anlaufstelle für den weltweiten Vergleich von Bildungsabschlüssen ist sicherlich die UNESCO mit ihrer „International Standard Classification of Education“ kurz ISCED.

http://www.uis.unesco.org/Education/Pages/international-standard-classification-of-education.aspx
Diese ISCED Codes geben in sieben Stufen grob wieder, wo und auf welchem Level ein Abschluss einzuordnen ist.

Dies gilt für den ISCED 1997 Code. ISCED 2011 hat 9 Stufen und wird schon feiner. Da ISCED 2011 immer noch nicht komplett fertig ist, beschreibe ich hier auch noch ISCED 1997 Inhalte.

Als Beispiel soll hier der Vergleich von Deutschland und Syrien gelten. Die Tabellen geben die einzelnen Bildungsabschlüsse in den beiden Ländern wieder und die dazu korrespondierenden ISCED Codes.
Hier können die ISCED Mapping-Tabellen pro Land heruntergeladen werden: http://uis.unesco.org/en/isced-mappings
Beispiel Deutschland und Syrien:

(zum Vergrößern hier klicken)

Man sieht, so „feine“ Unterscheidungen wie Abitur und Fachabitur werden schwierig, sind aber bei einem internationalen Vergleich im ersten Schritt auch nicht notwendig.

Auch für ein erstes Eintauchen in die jeweilige Bildungsstruktur eines Landes sind die ISCED-Codes sehr hilfreich.

So findet man auf der Website der UNESCO zu fast jedem Land eine Aufschlüsselung der nationalen Bildungsprogramme (Schulformen) mit der jeweiligen Ausbildungsdauer und den jeweiligen Abschlüssen:
http://www.uis.unesco.org/Education/ISCEDMappings

Vergleicht man diese Angaben mit denen deutscher Abschlüsse, kann man leicht die Äquivalente zu beispielsweise einem deutschen Abitur nachlesen.

In einem Online-Bewerbungsformular könnte so eine „Übersetzungstabelle“ aufgebaut werden, die es dem Kandidaten wesentlich einfacher macht, sich zu bewerben, da er seine ihm bekannte Institutsform und den ihm bekannten Begriff des Abschlusses vorfindet. Ein kluges Bewerbermanagement-System im Hintergrund hat die Chance, die Abschlüsse zu vergleichen und dem Recruiter das hiesige Bildungslevel (Bildungsstufe) anzuzeigen.

Eurydice
Eine weitere Möglichkeit, Bildungsabschlüsse zu vergleichen, stellen die Eurydice Kataloge der Europäischen Union dar. Leider gibt diese sehr ausführlichen Darlegungen der verschiedenen Bildungsmöglichkeiten nur für die Mitgliedsländer der Europäischen Union plus Schweiz und Österreich.
http://eacea.ec.europa.eu/education/eurydice

In der Grafik sieht man die Gegenüberstellung von Deutschland und Spanien sowie die korrespondierenden ISCED Codes.


Abbildung 1 Deutschland
(Quelle: https://webgate.ec.europa.eu/fpfis/mwikis/eurydice/index.php/File:2015_Diagram_DE.png)

 
Grafik2

Abbildung 2 Spanien
(Quelle: https://webgate.ec.europa.eu/fpfis/mwikis/eurydice/index.php/File:2015_Diagram_ES.png)

Auf der Eurydice-Webseite finden sich sehr detaillierte Beschreibungen der jeweiligen Bildungsinstitution und Bildungswege in den einzelnen Mitgliedsländern. Die Information über die Abschlüsse und ihre jeweiligen Bezeichnungen in den Herkunftsländern wird einem im Recruitingprozess sicherlich einen ersten Anhaltspunkt geben, wo ein Kandidat einzuordnen ist.

Eine Herausforderung lässt sich aber auch damit nicht lösen: Die durch beispielsweise Fluchtumstände nicht immer gegebene Nachweisbarkeit von Abschlüssen. Das lässt sich in letzter Konsequenz wohl nur durch entsprechende Onlinetests verifizieren, oder durch ein vorgeschaltetes Praktikum bzw. eine intensive Probezeit.

Die Daten der UNESCO und EU können Ihnen allerdings für die erste Einordnung im Bewerbungsprozess und vor allem für die Selbsteinschätzung der Kandidaten sehr hilfreich sein.

Weiterführende Informationen finden Sie hier:
http://www.uis.unesco.org/Education/Pages
https://webgate.ec.europa.eu/fpfis/mwikis/eurydice

Eurydice und ISCED Codes

Post navigation


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.