Während bei der Digitalisierung oft das Unternehmensumfeld im Mittelpunkt steht, ist es – gerade mit dem Blick auf Recruiting und Personalmarketing – auch wichtig, die Sichtweise der Bewerber zu betrachten. Über die Jobbörse JobStairs wurden Bewerber in einer aktuellen Online-Umfrage deshalb jetzt zu ihrem Verhalten bei der Stellensuche und Bewerbung dazu befragt. Wie digital sind die Kandidaten heutzutage bei der Suche nach einem neuen Job? Gibt es den Bewerber 4.0?

Aus den Umfrage-Ergebnissen wird deutlich, dass die Stellensuche bei Bewerbern hauptsächlich online stattfindet. Bei 60 Prozent der Befragten sind Online-Jobbörsen der meist genutzte Kanal, gefolgt von den Karriere-Websites der Unternehmen, die von 23,6 Prozent am häufigsten genutzt werden. Doch auch das persönliche Netzwerk ist im digitalen Zeitalter immer noch der dritthäufigste Weg, um Vakanzen bei einem neuen Arbeitgeber zu verifizieren.
Aber wie mobil ist der Bewerber 4.0 unterwegs?

70 Prozent sind mobiloptimierte Stellenanzeigen wichtig – nur jeder Vierte nutzt sie

Jeder zweite Bewerber (48,2 %) nutzt zur Stellensuche noch am meisten seinen Laptop – und das laut Umfrage in den eigenen vier Wänden – 78,5 Prozent suchen am häufigsten von zuhause aus nach Jobangeboten. Lediglich jeder Vierte schaut bereits per Smartphone oder Tablet nach offenen Stellen.

Über die Gründe kann man nur spekulieren. Da laut der Befragung jedoch mehrheitlich 70 Prozent der Teilnehmer mobiloptimierte Stellenanzeigen als wichtig oder sogar sehr wichtig bewerten, legt dies die Folgerung nahe, dass hier die Ursache zu finden ist. Denn ein Großteil der Stellenanzeigen sind heutzutage immer noch nicht mobiloptimiert. Hier sind demnach in erster Linie die Unternehmen gefragt, das Angebot entsprechend der Zielgruppe zu verbessern. Denn die Anzahl der Nutzer mobiler Endgeräte für die Stellensuche wird weiter zunehmen.

Bewerber würden sich mobil bewerben, wenn durchgängiger Bewerbungsprozess möglich wäre

Geht man einen Schritt im Recruitingprozess weiter und betrachtet die Bewerbungsmöglichkeiten, bestätigen sich die Ergebnisse der Studie „Human Ressources im Internet“ der Hochschule Rhein-Main, die unter meiner Leitung durchgeführt wurde: Viele Bewerber würden sich bereits mobil bewerben, wenn die Unternehmen die entsprechenden Möglichkeiten bieten und nicht in die mobile Sackgasse führen würden. So gaben bei der JobStairs Online-Umfrage zwei Drittel aller Befragten (66,1 Prozent) an, sich mobil zu bewerben, wenn ein durchgängiger mobiler Bewerbungsprozess möglich wäre. Bisher wird die E-Mail-Bewerbung von 66,7 Prozent bevorzugt.

One-Click-Bewerbung: Ein Kompromiss?

Wie groß der Wunsch nach einer schnellen, einfachen und auch mobilen Bewerbung ist, zeigt das Thema „One-Click-Bewerbung“. Viele Bewerber befürworten eine One-Click-Bewerbung über die Profile in den Business-Netzwerken Xing und LinkedIn. Jeder Dritte wünscht sich ausdrücklich die Möglichkeit einer Bewerbung über sein Xing- oder LinkedIn-Profil. In Punkto Active Sourcing sind Business-Netzwerke Spitzenreiter: 55,5 Prozent der Befragten möchten beim deutschen Netzwerk Xing aktiv von Recruitern angesprochen werden. Bei der internationalen Variante LinkedIn wünschen sich dies 39,3 Prozent der Befragten. Andere Social Networks möchten die Bewerber hingegen mehrheitlich lieber rein privat nutzen.

Eine weitere Technologie, die sich zunehmend im Personalmarketing durchsetzt, sind Employer Branding und Recruiting Videos. Erstaunlicherweise spielen diese für die Mehrheit der Bewerber (80,4 Prozent) keine bedeutende Rolle. Für eine innovative Bewerbung per Video ist aber schon knapp jeder Vierte (21,4 Prozent) offen.

Die Umfrage zeigt: Neue Technologien bieten ein großes Potential für das Recruiting und die Optimierung des Bewerbungsprozesses, sie sind aber noch nicht in der Masse angekommen. Den Bewerber 4.0 gibt es noch nicht. Dabei sind die Bewerber den Unternehmen schon einen Schritt voraus. Die Bereitschaft Neues auszuprobieren und der Wunsch nach einer mobilen Bewerbung sind vorhanden. Nun liegt es an den Unternehmen neue Technologien systematisch zu prüfen und zu implementieren. Wenn dies geschieht, wird es ihn bald geben: den Bewerber 4.0.

Der Bewerber 4.0 steht in den Startlöchern

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