Der digitale Bewerbungsprozess ist heutzutage Standard, wenn man sich bei Großunternehmen bewerben möchte. Doch gerade das klassische Anschreiben wird zukünftig an Relevanz verlieren. In den Bewerbungsformularen werden vor allem die Stationen aus dem Lebenslauf eines Kandidaten abgefragt. Während Anschreiben vielfach noch eine hohe Bedeutung für die Unternehmen haben, wird sich ihre Bedeutung im Bewerbungsprozess ändern. Dies geht unter anderem aus einer Online-Befragung unter den JobStairs Partnerunternehmen hervor.

Hier zeigt sich, dass bereits bei über der Hälfte der befragten Partnerunternehmen auf JobStairs die Einreichung eines Anschreibens im Bewerbungsprozess (62,5 %) optional ist. Jedes zweite Unternehmen gibt zudem an, aktuell Anschreiben abzuschaffen oder in 3-5 Jahren darauf verzichten zu wollen. Dieses Untersuchungsergebnis bestätigt den Trend, dass die Bedeutung von Anschreiben im Bewerbungsprozess rapide abnimmt. Dies deckt sich mit den Erwartungen und Anforderungen von Bewerbern laut der Facebook-Umfrage von JobStairs im Frühjahr 2018 (73 % Bewerber möchten auf Anschreiben verzichten). Dennoch ist bei knapp einem Drittel der Unternehmen (31,25 %) ein Anschreiben nach wie vor ein verpflichtender Bestandteil im Bewerbungsprozess.

Unternehmen wie Henkel, Otto oder die deutsche Bahn gehören zu den 6,2 Prozent, bei denen das Anschreiben schon jetzt keinen festen Bestandteil des Bewerbungsprozesses mehr darstellt, um Kandidaten so die Bewerbung beim Unternehmen zu erleichtern und somit dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Grundsätzlich gilt, dass es unabdingbar ist, die Hürden zum Zugang zu offenen Stellen weitestgehend abzubauen, gerade wenn es weniger Bewerber als offene Stellen für eine bestimmte Berufsgruppe gibt.

Zeitdruck als wichtiger Auswahlfaktor

Weitere Gründe für die abnehmende Relevanz von Anschreiben liegen in dem Zeitmangel bei der Personalauswahl, wie die Ergebnisse der Studie „Job Trends 2017“ von Kienbaum Communications und dem Staufenbiel Institut zeigen. In Großunternehmen mit mehreren hundert Bewerbungen am Tag haben Personaler oft nur wenig Zeit, um eine schnelle und treffersichere Auswahl der Bewerber zu erzielen. Hierfür eignet sich die zügige Beurteilung der Qualifikation mit Hilfe des Lebenslaufs am besten. Zu diesem Schluss kommt auch die Robert Half Beratung in ihrem Artikel „Systematischer Bewerbungsprozess

Gegenwärtig wird das Anschreiben zwar noch als wichtiges Mittel zur individuellen Hervorhebung des Bewerbers erachtet, Prognosen zeigen jedoch, dass laut Befragung der Universität Bamberg von 1.000 Unternehmen nur noch knapp 60 Prozent das Anschreiben als ein wichtiges Auswahlkriterium sehen.

Dieses Ergebnis spiegelt sich auch in den Ergebnissen der Befragung der Partnerunternehmen auf JobStairs wider: Für 62,5 Prozent sind die Anschreiben aktuell ein wichtiges Kriterium im Bewerbungsprozess. 75 Prozent der befragten JobStairs-Unternehmen geben zudem an, dass das Anschreiben in Zukunft weniger wichtig bis unwichtig sein wird.

Anschreiben werden nur noch für bestimmte Berufe relevant sein

Trotz heftigem Diskurs über die Abschaffung der Anschreiben zeichnet sich eine interessante Tendenz ab: Mehr als die Hälfte der befragten Personaler (56,2 %) geht davon aus, dass für ausgewählte Berufsgruppen in Zukunft weiterhin Anschreiben verlangt und diese somit nicht komplett aus dem Bewerbungsprozess verschwinden werden. Trotz abnehmender Bedeutung kann ein Anschreiben nach wie vor ein gutes Mittel sein, um sich positiv von seinen Mitbewerbern abzuheben und die eigene Motivation auf eine Stelle darzustellen. Dem stimmen auch die befragten Unternehmen der Universität Bamberg zu: Knapp acht von zehn Unternehmen (78,5 %) gehen davon aus, dass sich Kandidaten durch ein Anschreiben von anderen Kandidaten abgrenzen können.

Dies könnte dann angebracht sein, wenn es um die Besetzung höherer Positionen geht, oder wenn individuelle Aspekte des Bewerbers eine gleichwertige Rolle neben den Stationen im Lebenslauf spielen. So können Kandidaten ihre persönliche Motivation in die Bewerbung einbringen, z. B. ein berufserfahrener Außendienstler, der sich auf eine feste Innendienststelle bewirbt, um Beruf und Familie besser zu vereinen.

Doch zu den Erfolgsfaktoren effektiver Personalauswahl gehört ebenso ein möglichst zügiges Einstellungsverfahren. Je schneller die Personalabteilungen sind, desto wahrscheinlicher holen sie sich ihren Wunschkandidaten an Bord.

Viel Zeit bleibt den Kandidaten deshalb nicht, um einen guten Eindruck zu machen – denn laut der Job Trend Studie von Kienbaum nehmen sich 40 Prozent der Personaler für den ersten Bewerbercheck maximal fünf Minuten Zeit, drei Viertel sehen sich dabei zuerst den CV an. Ob man unter diesen Voraussetzungen das Anschreiben noch als Herzstück einer Bewerbung bezeichnen sollte, ist fragwürdig. Wichtiger als die Motivation ist heute offenbar ein schneller Überblick über die Qualifikationen der Bewerber.

 

Bewerbungsanschreiben: Ein Auslaufmodell im Bewerbungsprozess?

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